Seit Januar 2023 sind vier verschieden Insekten als neuartiges Lebensmittel in der Europäischen Union zugelassen. Sie sollen als alternative Eiweißquelle dienen. Es handelt sich um die Hausgrille (Acheta domesticus), den Mehlkäfer (Tenebrio molitor), die Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) und den Getreideschimmelkäfer (Alphitobius diaperinus). Lebensmittel, die Insekten enthalten, müssen nach der Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union in ihrer Zutatenliste klar und verständlich gekennzeichnet sein. Dabei müssen der lateinische und der deutsche Name genannt werden. Zusätzlich muss angegeben werden, in welcher Form das Insekt verwendet wurde, zum Beispiel als Pulver oder Paste. Insekten können demnach beispielsweise in folgenden Lebensmitteln enthalten sein: Brot und Brötchen, Cracker und Brotstangen, Getreideriegel, Müsli-Riegel, Müsli und Frühstückzerealien, Backmischungen, Gerichte auf Getreidebasis wie Nudeln oder Pizza, Chips, Erdnussflips und ähnliches Knabberzeug, Erdnussbutter, Schokolade und Schokoladenerzeugnisse, Bier und Brauereiprodukte …

Es ist eine verbreitete Annahme, dass Insekten die bessere Eiweißquelle darstellen als unsere heimischen Nutztiere. Diese Behauptung hält jedoch einer genaueren Prüfung nicht stand. Oft wird dabei das Insektenpulver mit echtem Fleisch verglichen, was jedoch zu einem verzerrten Bild führt. Wenn man beispielsweise Rindfleisch zu Pulver verarbeitet, enthält es deutlich mehr gesunde Inhaltsstoffe als das Pulver von Insekten. Außerdem gibt es einen einfachen Grund, weshalb wir in unseren Breitengraden bisher keine Insekten auf dem Speiseplan hatten: Die meisten großen Insekten leben in den Tropen und kommen nicht in Deutschland vor, weil es hier zu kalt ist. Sie überleben nur in Ländern mit tropischen Temperaturverhältnissen. Wollten wir hierzulande Insekten produzieren, ginge das nur in geschlossenen Anlagen und mit einem gigantischen Energieaufwand, wahrscheinlich wieder in Form von elektrischem Strom. Hinsichtlich des Futterbedarfs haben Insekten zumindest gegenüber Rindern den Nachteil, dass sie das Gras vom Grünland nicht verwerten können und damit in höherem Maße in Konkurrenz zur pflanzlichen Nahrungsmittelproduktion für die menschliche Ernährung stünden.

Aktuell werden die Insekten, die bei uns als als Lebensmittel zugelassen sind, in Südostasien produziert und dann nach Deutschland verschifft. Die Bedingungen, unter denen sie gehalten werden, werfen jedoch ernsthafte Fragen auf. Für schnelles Wachstum werden die Insekten mit Fraßstimulatoren, Antibiotika und Hormonen behandelt - Substanzen, die in Deutschland in der Tierhaltung nicht zugelassen sind. Nachdem sie ausgewachsen sind, werden sie schockgefrostet und dann als Ganzes zu Pulver verarbeitet. Dieser Prozess erfolgt natürlich ohne die am Schlachthof vorgeschriebene Einzeltierbeschau - was bedeutet, dass das Insekt einschließlich seiner Innereien, Krankheiten und Fäkalien in das Lebensmittel gelangt. Natürlich werden auch unsere heimischen Nutztiere vollständig verwertet, aber zum Glück landet nicht alles davon auf unseren Tellern.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Produktion von Insekten in unseren Breiten keine nachhaltige Option darstellt. Das Klima ist zu kalt und die Tiere sind zu klein, um einen signifikanten Beitrag zur Ernährungssicherheit zu leisten. Eine regionale Versorgung wäre nicht möglich, und was in den importierten Insektenpulvern enthalten ist, möchte man lieber gar nicht wissen.